T 071 246 51 40  

Argumentarium

Die ärztliche Medikamentenabgabe ...

Die ärztliche Medikamentenabgabe, im Fachjargon Selbstdispensation genannt, ist in 17 von 19 Deutschschweizer Kantonen zulässig. Dabei bestehen jedoch gewisse Einschränkungen in den Kantonen Bern, Graubünden und Schaffhausen (bis 2018). In den Kantonen Aargau und Basel ist die Selbstdispensation nicht üblich. Auch in der Westschweiz und im Tessin ist diese Form der Medikamentenabgabe nicht bekannt.

Die Selbstdispensation ist in den kantonalen Gesundheitsgesetzen geregelt und verankert. Es steht den Kantonen frei, ob sie den praktizierenden Ärztinnen und Ärzten eine Bewilligung ausstellen möchten oder nicht.* Das Bundesgericht urteilte am 23. September 2011 erneut, dass die Kantone frei über das Abgabesystem entscheiden können. Anderweitige Behauptungen seitens der Apothekerschaft entsprechen nicht dem Willen des Gesetzgebers. Der Bund gibt über das KVG (Art. 37 Abs. 3) nur eine Richtungsweisung an. Eine Bundeskompetenz stellt diese Regelung nicht dar. Dies ist auch auf die grossen Widerstände zurückzuführen, die damals gegen die Schaffung einer Bundeskompetenz auszumachen waren. Zudem delegiert das jüngere Heilmittelgesetz (Art. 24 HMG) die Abgabekompetenz für Ärztinnen und Ärzte klar an die Kantone.

* Selbst in Nicht-SD-Kantonen, wie beispielsweise in AG, FR oder VS, haben einzelne Ärzte das Recht zur Medikamenten-Abgabe in der Praxis.

Die ärztliche Medikamentenabgabe ist nachweislich günstiger als die Rezeptur. Kostenmässige Vergleiche wissenschaftlicher Studien zeigen, dass die durchschnittlichen Medikamentenkosten pro versicherte Person in Kantonen mit ärztlicher Medikamentenabgabe um bis zu 30% tiefer liegen als in den Rezepturkantonen. Die Abgeltung einer Medikamentenabgabe entspricht bei den Ärzten maximal dem vom Staat vorgeschriebenen SL-Preis für verschreibungspflichtige Medikamente. Die Apotheker erhalten die gleiche Medikamenten-Marge pro Präparat, «oben drauf» aber noch eine zusätzliche «Leistungsorientierte Abgabe» (LOA). Auf die Medikamente werden somit Zusätze von 4.20 Franken für einen Medikamentencheck, 3.15 Franken für einen Bezugscheck sowie weitere, teilweise kumulative Taxen abgerechnet.* Tätigkeiten, die im Fall der Ärzte ebenfalls erledigt werden, aber über die Medikamenten-Marge einmalig und fix abgegolten sind. Das gleiche, verschreibungspflichtige Medikament kostet deshalb in der Arztpraxis eindeutig weniger als in Apotheken mit LOA-Verrechnung.

* Aussagen der Apotheker, sie würden Einnahmen aus der LOA weitergeben, sind nur bedingt richtig. Ein Bruchteil der Einnahmen wird tatsächlich als Kostenstabilisierungsbeitrag (KSB) für gemeinsame Aktivitäten rückvergütet. Dieser Anteil ist aber verschwindend klein. Zudem kommt ihnen dieser Beitrag indirekt über Aktionen wieder zugute.

Ärztinnen und Ärzte sind von Gesetzes wegen zu einer wirksamen, zweckmässigen und wirtschaftlichen medizinischen Versorgung verpflichtet. Sie sind alleine und vollumfänglich für die richtige Therapie verantwortlich. Zu einer umfassenden therapeutischen Betreuung eines Patienten gehört seit jeher auch die richtige Verschreibung und Abgabe von Medikamenten sowie die Begleitung und Beobachtung der Patientinnen und Patienten während der Phase der medikamentösen Heilung. Hierfür werden die Schweizer Ärztinnen und Ärzte während des Studiums sowie in ihrer Assistenzzeit ausgebildet. Wäre dem nicht so, dürften in Spitälern zu keinem Zeitpunkt Medikamente durch Ärzte verabreicht werden.

Für Patientinnen und Patienten ist es von grosser Bedeutung, schnell und sicher mit Medikamenten versorgt zu werden. Für berufstätige Personen, ältere Menschen, durch Krankheit geschwächte oder durch Familienarbeit ausgelastete Mütter und Väter bringt die ärztliche Medikamentenabgabe bedeutende Erleichterung. Der oft mühsame und zeitraubende Gang zur Apotheke entfällt. Die Patientinnen und Patienten werden zudem direkt bei ihrem Arzt über die Medikamente, deren Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen informiert. Eine individuelle, fallbezogene und diskrete Beratung zur Einnahme von Medikamenten ist gewährleistet. Die Forderungen, die Medikamentenabgabe in der Arztpraxis einzuschränken oder gar zu verbieten, stehen somit im Widerspruch zu den Interessen und Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten.

Heutzutage werden dieselben medizinischen respektive ärztlichen Leistungen in den Kantonen unterschiedlich honoriert. Im strukturschwachen und günstigen Kanton Jura erhalten Ärztinnen und Ärzte für die gleiche Untersuchung oder Behandlung wesentlich höhere Honorare als in anderen Kantonen. Dies beruht, trotz gleicher TARMED-Positionen, auf unterschiedlichen kantonalen Taxpunktwerten (Preis-Multiplikator in Rappen). SD-Kantone haben, mit wenigen Ausnahmen, die tiefsten Preise/Löhne für medizinische Behandlungen. Die Selbstdispensation war deshalb immer auch ein Ausgleich für tiefere medizinische Honorare. Dies bestätigte bei der TARMED-Einführung der Preisüberwacher ausdrücklich. Die SD sorgt somit auch für eine Annäherung an die Zielsetzung «gleicher Lohn für gleiche medizinische Arbeit».

Das Führen einer Praxisapotheke bringt einen erheblichen organisatorischen und administrativen Mehraufwand mit sich, da der Medikamente abgebende Arzt für die Erbringung dieser zusätzlichen Dienstleistung zahlreiche Pflichten erfüllen muss. Die direkte Medikamentenabgabe bedeutet für den Arzt nicht einfach eine zusätzliche Handlung nach der Untersuchung und Diagnose, sondern bedingt auch die Bestellung, Eingangskontrolle, Preisbeschriftung, Lagerung, Abgabe und Verrechnung der Medikamente mit entsprechendem Mehraufwand in der Buchhaltung. Des Weiteren erfordert das Einrichten der Praxisapotheke eine Grundinvestition. Zudem muss das Personal zur Sicherstellung eines korrekten und effizienten Betriebs ausgebildet werden und für eine regelmässige Qualitätskontrolle sorgen. Letztlich schaffen die 6‘000 selbstdispensierenden Ärztinnen und Ärzte Arbeitsplätze für mindestens 3‘000 MPA (bei 100-prozentigem Anstellungsgrad), die ausschliesslich mit Tätigkeiten rund um die Medikamente beschäftigt sind.

Die ärztliche Medikamentenabgabe durch den behandelnden Arzt gewährleistet auch in abgelegenen Ortschaften eine breite und permanente Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten. Die sichere und schnelle Hilfe mit Medikamenten kann in vielen Kantonen überhaupt erst durch die ärztliche Medikamentenabgabe gewährleistet werden. Eine Einschränkung wäre im Hinblick auf die Versorgungssicherheit verantwortungslos.

Die ärztliche Medikamentenabgabe ist ein freiheitliches System, das dem mündigen Patienten die Wahl zur Beschaffung seiner Medikamente ermöglicht (Wahlfreiheit). In unserer Wirtschaftsordnung, in der immer mehr Distributionskanäle (Versandapotheke, Internet, Grossverteiler) zulässig sind, ist ein Apothekenmonopol, wie es in den Rezepturkantonen besteht, absolut unzeitgemäss. Die Patientinnen und Patienten sollen frei wählen können, wo und bei wem sie ihre Medikamente beziehen möchten.

Weitere Informationen finden Sie in unserem ausführlichen Argumentarium.